Honigernte im Laufental

Tongruben sind wertvolle Biotope mit einer hohen Biodiversität. Auch in der Grube Laufen finden zahlreiche Tiere und Pflanzen ein Zuhause – darunter Honigbienen. Im Mai gibt es für die Imker viel zu tun.

Der als Sediment ehemaliger Meere entstandene Ton – im Volksmund oft als Lehm bezeichnet – findet sich in unterschiedlichen Zusammensetzungen an verschiedenen Orten in unserem Land. Er wird in unmittelbarer Nähe der Verarbeitungswerke in Tongruben abgebaut.

Diese Gruben sind sehr wertvolle Biotope mit einer hohen Biodiversität. Denn die Dynamik des Abbaus lässt laufend temporare Tümpel, Brachen oder Ruderalflächen entstehen, die ideale Lebensraume für bei uns selten gewordene Pflanzen und Tiere bilden. So finden sich in Tongruben gar Amphibienschutzgebiete von nationaler Bedeutung. Tongruben werden nach dem Ende des Abbaus nicht einfach aufgegeben, sondern sorgfältig rekultiviert und als Teil der Natur wieder in die Landschaft integriert.

Tongrube Laufen
Blick in die teilweise schon rekultivierte Tongrube Laufen.

In der Tongrube Laufen fühlen sich auch Bienen sehr wohl. Neben den bereits zahlreich vorhandenen Wildbienen, die hier ihre Niströhren anlegen, leisten nun auch Honigbienen ihre wertvollen Dienste als wichtige Bestäuberinnen zahlreicher Pflanzen.

Bereits Ende Winter summt es in der Tongrube

Steigt das Thermometer über 8 Grad Celsius, erwachen auch die Bienen aus ihrem Winterschlaf. «Mit den ersten warmen Temperaturen Ende Februar können die Bienenkästen geöffnet werden», erklärt Martin Dettli. Der gelernte Agronom ETH forscht und schreibt seit über 40 Jahren zu Bienen. Daneben ist er als Imker tätig und produziert seinen eigenen Honig.

Bienen Laufen

Auch in der Tongrube Laufen sind seine Bienenvölker gelegentlich unterwegs. Für Martin Dettli bietet sich diese ideal für seine Honigbienen an: «Viele Jahre hatte ich Bienen in der Nachbarschaft der Grube und habe oft gedacht, sie wäre ein guter Platz. Zum einen bietet sie Windschutz und doch eine gute Besonnung, zum anderen wachsen in den rekultivierten Teilen Weiden. Diese blühen sehr früh im Jahr und sind eine wichtige Nahrungsquelle für meine Bienen.»

Sobald sich die Büschchen der Weiden gelb färben, beginnt für die Bienen die erste intensive Sammelzeit des Jahres. Die früh blühenden Weiden liefern reichlich Pollen und Nektar und sind damit eine unverzichtbare Nahrungsquelle nach dem Winter. Auch der Krokus zeigt sich bereits bei den ersten wärmeren Tagen und stellt den Bienen früh im Jahr wertvolle Nahrung zur Verfügung.

Krokus blühend

Blütenvielfalt im April

Im April erwacht die Natur so richtig zum Leben: Steigen die Temperaturen regelmässig über 15 Grad Celsius, beginnen Pflanzen wie Löwenzahn, Kirsch- oder Apfelbäume zu blühen und bieten den Bienen reichlich Nektar. Die zunehmende Blütenvielfalt sorgt dafür, dass Bienen ab Mitte April die eigenen Futterreserven wieder aufstocken können. Sie sind damit nicht mehr auf  Notzufütterungen angewiesen.

Blattschneiderbiene (Megachile sp.) - Altegg
Kirschbaum

Im Bienenvolk selbst herrscht nun Hochbetrieb: Die Wintertraube löst sich auf, die Bienen verteilen sich wieder auf die Waben, und die Königin steigert ihre Legeleistung auf bis zu 2000 Eier täglich. Gleichzeitig findet der sogenannte «Massenwechsel» statt, bei dem die Winterbienen durch junge Sommerbienen ersetzt werden. Dadurch kann es kurzfristig so wirken, als würden die Völker schrumpfen, was jedoch ein normaler Entwicklungsprozess ist.

Festschmaus für die Bienen

Im Mai stehen die Felder und Obstbäume in voller Blüte – das Nahrungsangebot für die Bienen ist immens. Für 1 kg Honig legen die Sammelbienen eines Volkes zusammengerechnet rund 100 000 km zurück. Die Bienen sammeln dafür rund 3 kg Nektar, fliegen etwa 100 000 Mal aus und besuchen mehrere Millionen Blüten.

Honigbienen Laufen 3
Honigbienen Laufen 4
Honigbienen Laufen 1

Honig entsteht aus einem einzigartigen Prozess. Die Bienen fliegen zahlreiche Blüten im Umkreis ihres Bienenstocks an und konzentrieren sich dabei auf besonders ergiebige Nahrungsquellen. Sie sammeln winzige Mengen Nektar und verarbeiten ihn mithilfe ihrer Enzyme und durch Wasserentzug zu Honig. Imker wie Martin Dettli können in der Regel Ende Mai den ersten Honig ernten. Diese Ernte wird als Frühtracht bezeichnet und stammt meist von Obstbäumen, Löwenzahn oder Raps.

Honigbienen Laufen 6
Honigbienen Laufen 5

Ein Bienenvolk setzt sich aus Arbeiterinnen, Drohnen und einer Königin zusammen. Arbeiterinnen leben im Sommer nur gerade 5 bis 6 Wochen, im Winter hingegen 6 bis 7 Monate. Die Königin hat eine Lebenserwartung von 2 bis 4 Jahren, Drohnen leben zwischen 20 und 50 Tagen. Ein Bienenvolk umfasst je nach Jahreszeit zwischen etwa 10 000 und 30 000 Bienen. Zwischen Mitte April und Ende Mai liegt auch die Hauptschwarmzeit der Bienen. In diesem Zeitraum vermehren sich starke Bienenvölker auf natürliche Weise, indem die alte Königin mit etwa der Hälfte des Volkes auszieht, um ein neues Zuhause zu suchen.