Wie entsteht eigentlich ein Ziegel oder ein Backstein? In unserer Serie «Der Weg des Tons» begleiten wir den Rohstoff auf seiner Reise vom Rohmaterial bis zum Endprodukt. Zu Beginn begeben wir uns in die Tongrube.
In der Tongrube
Backsteine und Dachziegel werden aus natürlich vorkommendem Ton und Sand hergestellt. Bei Ton handelt es sich um ein aus feinstkörnigen sowie geschichteten Tonmineralien bestehendes Material, das dank Wassereinlagerungen plastisch verformbar ist. Der als Ablagerungsprodukt ehemaliger Meere entstandene Ton kann in der Schweiz ein Alter von bis zu 175 Millionen Jahren aufweisen, es gibt mit dem Löss aus Gehänge- und Schwemmlehmen aber auch deutlich jüngere Vorkommen, die nur rund 100 000 Jahre alt sind. Der im Volksmund oft als Lehm bezeichnete Ton findet sich daher in unterschiedlichen Zusammensetzungen an verschiedenen Orten in unserem Land – zahlreiche Flurnamen mit dem Wort «Letten» zeugen davon.

Bis heute finden sich Ziegeleien nur dort, wo die natürlichen Rohstoffe nicht weit sind. Lehm ist in Mitteleuropa an zahlreichen Fundstellen vorhanden, jedoch ist die Zusammensetzung jedes Mal anders. Abhängig vom Eisen-, Pyrit-, Organika- und Kalkgehalt präsentiert sich der Lehm in den verschiedensten Farben.
Gleich neben Istighofen TG, wo sich eines der Werke der Zürcher Ziegeleien befindet, liegt die Grube Altegg. Diese streckt sich aktuell über eine Fläche von rund 50 000 Quadratmeter aus. Die kaskadenartige Flanken am südlichen Ende der Tongrube zeugen vom laufend stattfindenden Abbau.
«Die Zusammensetzung, Beschaffenheit und Aufbereitung des Rohmaterials ist ein wesentlicher Faktor, um eine hohe Qualität des Endprodukts sicherzustellen», erklärt Frederik Fuch, Leiter Rohstoffe und Deponien bei den Zürcher Ziegeleien: «Um den Abbau in der Grube planen zu können, wird daher regelmässig der geologische Untergrund untersucht.» Spektakulär seilen sich hierzu die beteiligten Experten der Firma Geotest in die mehrere Meter hohe Grubenwand ab, um die verschiedenen Schichten im Untergrund identifizieren zu können.

«Die Sondierung des Untergrunds hilft uns auch, die weitere Stossrichtung des Abbaus festzulegen», erklärt Frederik Fuchs. Neben der Untergrundbeschaffenheit ist hierbei auch auf landwirtschaftliche Nutzungszonen, kommunale Landschaftsschutzzonen sowie allfälliges Grundwasservorkommen zu achten.

In der Grube Altegg ist neben fettem und mageren Ton aus Mergelschichten der Oberen Süsswassermolasse auch Sandstein in grossem Masse vorhanden. Bei Abbau mit Hydraulikbaggern ist daher ein feines Händchen vonnöten, um die verschiedenen Materialien sauber abzubauen. Das knappe Rohmaterial und die Nachfrage nach ressourcensparenden Produkten erfordern einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Naturprodukt, damit der Ausschuss so gering wie möglich gehalten werden kann.
Nach dem Abbau wird das Material auf Depots in der Grube gelagert. Die unterschiedliche Mischungsverhältnisse des Rohmaterials erfordern eine exakte Kontrolle, um bei der späteren Weiterverarbeitung keine bösen Überraschungen zu erleben. Nach rund einem Jahr im Depot wird das Material ins Werk zur Aufbereitung transportiert.